Benders

Die Zwillinge – Lars und Sven

Diese Rubrik wird nicht zum wiederholten Mal auf die Frage eingehen, wie oft sich Lars und Sven Bender sehen oder sie telefonieren. Sie soll vielmehr einen Einblick geben, wie Lars und Sven die gemeinsame Entwicklung zum Profisportler erlebt haben und welche Besonderheiten das Zwillingsdasein noch heute birgt.


Vor ihrem Wechsel zu Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen durchlaufen Lars und Sven alle sportlichen Stationen gemeinsam. Angefangen bei ihrem Heimatverein TSV Brannenburg, über die SpVgg Unterhaching bis hin zum TSV 1860 München – die Benders gibt’s nur im Doppelpack. Vor allem auf die Zeit in der B-Jugend blicken die beiden heute noch gern zurück. „Wir hatten eine tolle Truppe mit vielen talentierten Spielern, und unser Trainer Wolfgang Schellenberg war klasse. Rückblickend hat er uns den gewissen taktischen Schliff verpasst, von dem wir noch heute profitieren“, meint Lars Bender. Schon hier beweisen die zwei Heimatverbundenheit. Statt in das Münchner Fußballinternat zu ziehen, wohnen sie in Brannenburg und pendeln täglich mehrere Stunden mit dem Zug zum Training nach München. Natürlich war dies mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden, hatte jedoch den gewichtigen Vorteil, dass sie weiter in ihrem angestammten Umfeld bleiben konnten, das die beiden noch heute sehr schätzen.


Nach dem Gewinn der deutschen B-Jugend-Meisterschaft und der Teilnahme an der U17-Europameisterschaft in Luxemburg gelingt dem Brüderpaar mit der Unterzeichnung ihres ersten Profivertrages der Sprung in den Profisport. „Natürlich war das ein besonderer Moment für uns. Wir kamen zum Trainer in die Kabine und wurden mit den Worten „Ihr seid also die Zwillinge“ begrüßt. Irgendwo schon bezeichnend“, erinnern sich die beiden. Die ersten zwei Jahre bei 1860 verlaufen nicht weniger turbulent. Nach ihrer ersten Saison unter Walter Schachner, etablieren sie sich unter Marco Kurz endgültig. Der nächste Schritt nur logisch: Ein Wechsel in die erste Bundesliga.


„Es war schon etwas seltsam, als feststand, dass Sven zu Dortmund wechseln würde, während ich einige hundert Kilometer weiter südlich bei 1860 die Fußballschuhe schnüre. Aber wir wussten beide, dass dies für Sven für eine Riesenchance ist“, meint Lars und betont „auch fußballerisch hat uns die Trennung gut getan. Wir hatten vorher eine sehr ähnliche Art Fußball zu spielen. Heute sind die Unterschiede schon deutlicher“.


Natürlich stellt solch eine Veränderung auch privat eine Umstellung dar. Statt in einer gemeinsamen Wohnung in Brannenburg, wohnten die beiden nun getrennt. Und auch nach Lars‘ Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen änderte sich die Wohnsituation nicht. „Natürlich kam oft die Frage auf, ob wir irgendwo in der Mitte wieder zusammenziehen würden, da zwischen den beiden Städten ja nur 100 Kilometer liegen. Diese Frage stellte sich für uns aber nicht. Erst einmal wäre das verkehrstechnisch ein Wahnsinn und allein zu wohnen stärkt auch die Selbstständigkeit“, betont Sven Bender, während Lars ergänzt: „Genau! Da verlässt man sich mit dem Abspülen nicht auf den Anderen.“.


So besonders die Geschichte eines Zwillingspaars in der 1.Bundesliga zweifelsfrei ist, so anstrengend kann sie auch sein.
„Wenn man zum x-ten Mal gefragt wird, wie oft wir telefonieren, ob wir auch damit klarkommen uns mal einige Zeit nicht zusehen oder ob unsere Lieblingsgerichte identisch sind, dann kann das schon anstrengend sein. Oft werden wir nur als Kollektiv gesehen“, resümiert Lars Bender.


Selbst nach unzähligen Auftritten in der 1. Bundesliga, der Champions und Europa League sowie der Nationalmannschaft kam es oftmals vor, dass laut Kommentator plötzlich Lars bei Dortmund im Mittelfeld spielte. Ein Kuriosum, das Sven seit dem Sommer 2017 mit seinem Wechsel zu Bayer Leverkusen aus der Welt geschafft hat. Heute stellt sich lediglich die Frage „wer ist wer im Team?“. 

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